Pressemeldungen

07.04.2008

Torburg in unbekannten Dimensionen

Dank der Initiative von EhrenGarde-Schriftführer Axel Schwarz und der Stiftung der EhrenGarde-Mitglieder Bert Herpertz und Hans Seidel, konnte nun erstmals ein Modell der Hahnentorburg, mit den im 19. Jahrhundert vorhandenen Festungsbauten, vorgestellt werden.

Kölnische Rundschau: Eine gewaltige Festung

VON STEFAN VOLBERG, 08.04.08, 21:44h

Die Hahnentorburg hat viel Geschichte erlebt: Viele deutschen Kaiser zogen nach ihrer Krönung in Aachen durch das Hahnentor in Köln ein (um den Heiligen Drei Königen zu huldigen), die letzte Kölner „Hexe" saß hier 1655 ein (und wurde auf Melaten verbrannt), die Franzosen marschierten hier 1794 ein, hier starb Jodocus Schlappal, der in den 1825er Jahren den Rosenmontagszug illustriert und in den 30ern Falschgeld hergestellt hatte, 1888 war in der Hahnepooz das erste Historische Museum der Stadt Köln untergebracht, nach dem Zweiten Weltkrieg der Kölnische Kunstverein und das Museum für ostasiatische Kunst. Seit 1988, also seit mittlerweile 20 Jahren, hat die Ehrengarde in dem jetzt frisch renovierten mittelalterlichen Gebäude ihren Sitz.

Ganz bedeutend aber war das Hahnentor (das größte Stadttor) auch als Teil der Stadtbefestigung. Seit Montag kann man sich das Gelände um das Hahnentor im Hause an einem Modell anschauen. Dabei lag der äußere Graben etwa in Höhe des heutigen Millowitsch-Theaters. Möglich wurde die Finanzierung des Modells durch die beiden eifrigen Ehrengarde-Stifter Bert Herpertz und Hans Seidel, denen Präsident Frank Remagen beim Korpsappell am Montag ausdrücklich dankte.

Historiker Marcus Leifeld erläuterte anschaulich, was die Befestigungsanlagen für die damals (1870) rund 100 000 Kölner bedeuteten: Arbeitsplätze, Wirtschaftskraft durch die 7000 Soldaten, aber auch drangvolle Enge, häufige Militärübungen, Stau bei den Fuhrleuten und mehr. Der Erbauer des Modells, Dipl.-Ing., Peter Davies-Garner, erläuterte die technischen Schwierigkeiten und die bei der historischen Recherche, wobei Architekt Willi Schulte und Andreas Kupka beratend zur Seite standen. Gruppenführungen kann man vereinbaren (Telefon 913 10 49), bei Hochzeiten im Hahnentor arrangieren sowie den Tag des offenen Denkmals und das Hahnentorfest im Sommer nutzen.

VON NORBERT RAMME, 08.04.08, 21:56h

Die Ehrengarde hat ein Modell der Hahnentorburg bauen lassen, wie diese um das Jahr 1870 aussah.

„Vom Geruch her erinnert mich das an meine Kindheit mit Märklin-Eisenbahn und Faller-Häuschen", sagte Ehrengarde-Präsident Frank Remagen. In der Tat: Das Modell der mittelalterlichen Hahnentorburg mit ihren vorgelagerten Befestigungsbauten, das Remagen den Mitgliedern seinen Traditionskorps beim ersten Treffen nach der Session vorstellte, hatte durchaus einen Hauch von Modelleisenbahn - zumal an einer Ecke des gut drei Quadratmeter großen Modells im Maßstab 1:100 ein Paar Gleise ins Niemandsland führten. „Das ist schon authentisch. Dort fuhr ja seit 1850 die Köln-Bonner Eisenbahn entlang", sagte Historiker Marcus Leifeld, der derzeit die Archive der kölschen Traditionskorps aufarbeitet.

Nach alten Plänen gebaut

Das gesamte Modell - nach alten Plänen, Zeichnungen und Bildern aus mehreren Archiven rekonstruiert und von Diplom-Ingenieur Peter Davies-Garner erbaut - sei, so Leifeld, „kein Märchengebilde, sondern es macht Stadtgeschichte begreifbar". Erstmals werden neben dem mittelalterlichen Tor auch das Kugelhaus, das Pulverhaus sowie das Turmschreiberhaus und alle vorgelagerten Befestigungsbauten und Erdwälle plastisch dargestellt. „So kann man erahnen, welche Ausmaße und Auswirkungen die Stadtbefestigungen des 19. Jahrhunderts für die Kölner Bevölkerung hatte."

Die Anfang des 13. Jahrhunderts errichtete Hahnentorburg gilt als das bedeutendste mittelalterliche Stadttor Kölns. Leifeld: „In und um das Tor haben sich über 800 Jahre hinweg spannende Episoden abgespielt, die demnächst in einem Buch zusammengefasst werden." So kamen die deutschen Könige nach ihrer Krönung in Aachen durch dieses Tor in die Stadt und später auch die französischen Revolutionstruppen. Die letzte Hexe Kölns saß im dortigen Kerker ein, in dem auch um 1835 Jodokus Schlapal starb, der die ersten Rosenmontagszüge illustriert hatte. Da er davon anscheinend nicht leben konnte, stieg er um auf die Produktion von Falschgeld. Er wurde erwischt und inhaftiert.

Report K: EhrenGarde stiftet Hahnentorburgmodell - erstmals Dimension der Kölner Festungsbauten visualisiert

von Andi Goral für www.report-k.de

Stellen Sie sich vor, dort wo das Millowitschtheater steht war die Spitze der Bastion die sich im 19. Jahrhundert schützend vor der Hahnentorburg erstrechte. Wenn Sie dann nach Köln hineingehen wollten mussten Sie einen großen Bogen laufen und durch eine schmale Gasse und eine Brücke durch die gigantischen Festungsanlagen laufen. Dort herrschte so ein Betrieb und so ein Verkehrschaos dass der Rat der Stadt Köln schon in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts eine Verkehrszählung durchführen ließ. Sichtbar wird jetzt die Größe der Festungsanlage in einem Modell, dass im Museum der EhrenGarde in der Hahnentorburg steht.

Das erste Modell zu den Kölner Befestigungsanlagen

Der Kölner Historiker Marcus Leifeld erklärte Entwicklung und Funktion der Befestigungsanlagen vor dem Modell der Hahnentorburg und bekannte, dass auch ihm dieses Modell sehr viel besser veranschaulicht welche Dimensionen die Festung Köln hatte. Viel Recherche steckt hinter dem Projekt, der Mercatorplan von 1571, das Skizzenbuch von Herrn Finkenbaum aus dem Jahr 1670, beide zeichnen kein ganz authentisches Bild, so suchte man auch im Historischen Archiv, in den preußischen Geheimarchiven in Berlin und holte sich Rat bei den Experten, die die Festung Jülich untersucht haben. Erst als man ein Gesamtbild hatte fing der Modellbauer Davies-Garner mit der Ausführung an.

Köln wurde nicht ausgeplündert

Die Befestigung, die vor der mittelalterlichen Stadtmauer errichtet wurde, war nötig geworden, da sich die Waffen weiterentwickelt hatten. Schüttete man im Mittelalter noch Pech und Schwefel von der Mauer, so musste man sich jetzt einer immer weitreichenderen Artillerie erwehren. Die Festung, das Modell zeigt sogar kleine Kanonen, war so aufgebaut, dass man nach allen Seiten schiessen konnte. Zentral vor der Hahnentorburg lag der sogenannte Kavalier, daneben das Kugelhaus und neben dem Pulverhaus war sogar ein Brunnen, damit man effizient Feuer löschen konnte. Dieser immense Aufwand habe sich für Köln gelohnt, erklärt Historiker Leifeld, denn Köln sei nicht ein einziges Mal eingenommen und ausgeplündert worden.

Erste Verkehrszählung schon 1870

Dafür brachte die Festungsanlage andere Beschwerlichkeiten mit sich. In Köln selbst herrschte drangvolle Enge, zweitweise wohnten in Köln auf dem gleichen Raum dreimal so viele Menschen wie in Berlin oder in Paris. Alleine 7.000 Soldaten und über 100.000 Menschen wohnten um 1870 in der Stadt. Zudem war der Zugang durch die militärischen Sperrzonen schwierig und nur eingeschränkt möglich. Durch das Hahnentor wurden in der Hauptsache Hülsenfrüchte und Getreide nach Köln geliefert. Vor dem Tor erhoben sogenannte Fruchtmesser Steuern, eine aufwendige Zeremonie, die zu Staus führte. Und in den Staus gab es häufig Streit unter den Kaufleuten und Händlern. Die Stadttore wurden in der Bevölkerung damals "Kaninchenlöcher" genannt. So beschloss der Rat der Stadt Köln im Jahr 1870 eine Verkehrszählung vorzunehmen. In einer Stunde passierten 195 Fußgänger stadtein- und 241 stadtauswärts das Hahnentor. 34 Fuhrwerke fuhren in und 41 Fuhrwerke hinaus. So verwundert es nicht, dass dieses Thema auch in den Rosenmontagszügen persifliert wurde. Ein Vorschlag auf einem Persiflagewagen war, den Rhein zuzuschütten, damit man die Stadt besser erreichen kann, oder ein Rohrsystem unter der Eigelsteintorburg zu errichten um Milch in die Stadt zu pumpen. So wundert es nicht, dass die Befestigungen, allerdings nach hitzig geführten Debatten, letztendlich geschliffen wurden, zum Wohl der Stadt.

Das Modell zeigt im Masstab 1:100 auf einser Grundflöche von 1,60 x 1,90 m das hahnentor kurz vor dem Abriss der Kölner Stadmauer im Jahr 1881. Gebaut wurde das Modell von Davies-Garner. Er ist Architekt und selbstständiger Modellbauer. Eine seiner besonderen Arbeiten ist ein 5,5 Meter langer Titanicnachbauten. Gestiftet wurde das Modell von den EhrenGarde Corps a la suite Mitgliedern Bert Herpertz und Hans Seidel und das wie EhrenGarde Präsident Frank Remagen erklärte völlig spontan.

INFOBOX Hahnentorburg

Die Hahnentorburg gilt als das bedeutendste mittelalterliche Stadttor Kölns. Und auch heute noch ist die Hahnentorburg an der zentralen Stelle wo die Flaniermeile Ringe, Pfeilstraße und Mittelstraße aufeinandertreffen ein zentrales Bauwerk Kölns. Nicht zuletzt die Sanierung der Hahnentorburg, die erst letztes Jahr durch die EhrenGarde der Stadt Köln fertiggestellt wurde hat dem mittelalterlichen Stadttor zu neuem Glanz verholfen. 800 Jahre stadtkölnische Geschichte hat die Burg gesehen, Könige und Kaiser aber auch zur WM 2006 Autocorsi der Freude.

Nach der Krönung in Aachen ritten etwa die deutschen Könige im Mittelalter zum Schrein der Heiligen Drei Könige nach Köln durch die Hahnentorburg ein. Die letzte als Hexe bezeichnete Frau saß in der Hahnentorburg ein. 1794 zogen die französischen Revolutionstruppen durch das Hahnentor in Köln ein. 1888 war in der Hahnentorburg das erste Historische Museum in Köln. Seit 1988 ist die Hahnentorburg die Residenz der EhrenGarde der Stadt Köln.

Kölner Stadt Anzeiger: Geschichte erlebbar machen